Die deutsche Wirtschaft könnte laut einer Studie
bis zum Jahr 2040 europaweit absteigen und hinter das derzeit noch
schwache Polen zurückfallen. Diese Prognose hat die Brüsseler
Denkfabrik Centre for European Policy Studies (CEPS) am Montag in
Brüssel präsentiert. Schuld daran seien die Reformscheu und fehlende
Investitionen in die Bildung. Schon jetzt wachse die polnische
Wirtschaft im Schnitt zwei Prozent schneller als die deutsche.
Polen werde schon in 20 Jahren wirtschaftlich besser dastehen als
Deutschland, lautet die These des CEPS-Leiters Daniel Gros, die er in
dem Buch «Nachkrisenzeit» gemeinsam mit der Journalistin Sonja
Sagmeister aufgestellt hat. Der Aufholprozess gehe in den neuen
EU-Ländern Osteuropas deutlich schneller voran. «Deutschland ist alt,
satt und behäbig geworden.» Die Deutschen seien selbst in der Krise
nicht gezwungen gewesen, radikal umzudenken.
Laut Studie gibt es im deutschen Bildungssektor zu viele
Schulabbrecher und zu wenige Uni-Absolventen. Das werde Deutschland
in der nächsten Generation «zum Land der Hilfsarbeiter» machen, sagte
Gros. Verknüpfe man die Akademikerquote mit den Resultaten der Pisa-
Studie, liege Warschau vor Berlin.
Fast nirgendwo in Europa seien so wenige Arbeitskräfte in
Kindergärten, Schulen und Universitäten beschäftigt wie in
Deutschland. Mit einer Quote von sechs Prozent liege Deutschland weit
hinter Großbritannien mit neun und Polen mit sieben Prozent. Jeder
fünfte Jugendliche komme nicht über das Hauptschulniveau hinaus.
«Die Facharbeitertradition und die Spezialisierung auf
Industriegüter sind in der Krise ein Nachteil», warnte Gros. Der
Volkswirt forderte eine Bildungsreform. Deutschland müsse mehr
Ingenieure und andere Akademiker ausbilden.
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